Ausverkauft

01.12.2018, 19:00 Uhr
Eintritt: 15,- €
Alfred Schnittke Akademie International, Max-Brauer-Allee 24, 22765 Hamburg


Alfred Schnittke gilt als der bedeutendste Vertreter der „polystilistischen Kompositionsweise“. Hierbei geht es darum, in einem Werk verschiedene Musikstile miteinander zu kombinieren, auf dass sich eine vollkommen neue Wirkung des alten Materials ergibt.  Schnitte erarbeitete damit Akzente, die sich kontrapunktisch zur seriellen Musik stellten. Doch nicht das Aufarbeiten alter Themen stand ihm dabei im Vordergrund; in dem gestalterischen Vertiefen in musikalische Prozesse stellte er sich bewusst in den Strom der musikgeschichtlichen Entwicklung, in dem Bewusstsein, dass das Alte gegenwärtig ist und nicht radikal abgebrochen oder erneuert werden sondern weitergetragen und den Metamorphosen des Zeitgeistes gewidmet werden kann und muss. Viele Komponisten haben eine Scheu vor dem, was man das „Zitieren“ nennt. Schnittke hat dieses überwunden und überlässt sich im Fluss des Komponierens ganz dem, was dessen innere Logik fordert. Dabei tauchen Themen, Stimmungen auf, die mögen bekannt klingen, sind aber keine Kopien eines Stiles sondern ergeben sich aus dem Schaffensprozess, der dieser oben genannten Logik folgt.

„Wegweisend war 1968 die zweite Violinsonate „quasi una sonata“ mit der er „den bereits überfüllten Zug verlassen“ und von der Zwölftonigkeit zur Polystilistik fand – einem Verfahren, bei dem heterogene Materialien und Stile, Tonales und Atonales, Vergangenes und Gegenwärtiges, Vertrautes und Verfremdetes einander durchdringen und in einen neuen Zusammenhang gebracht werden. Dies ermöglichte, durch bewusste Anspielung der Stilunterschiede, eine fast schon verloren geglaubte musikalische Räumlichkeit neu zu entwickeln und wiederum zu einer dynamischen Formgestaltung zu kommen, die im Laufe der stürmischen Avantgarde-Periode unmöglich geworden war. Mit dieser autonomen, musikalischen Ausdrucksweise revolutionierte Schnittke in den 60er Jahren die Musikwelt und setzte neue Maßstäbe.“

1990 übersiedelte Schnittke bereits schwerkrank nach Hamburg. Die 3. Violinsonate entstand in diesem letzten Lebensabschnitt, einer Zeit, in der sein „Spätwerk ( ) herbere, quasi abstraktere Züge (trägt), seine Partituren wurden karger und ausgedünnter. Dieses Spätwerk ist bisher wenig erschlossen. „… in seiner Bedeutung für die Zukunft (ist es) erst noch zu entdecken…“ (Heinz-Albert Heindrichs, 2003)

Mit freundlicher Unterstützung von Gerhard-Trede-Stiftung