• Beginn:
  • Veranstaltungsort: Alfred Schnittke Akademie
  • Event: Grand Duett,
Ausverkauft

01.12.2019, 18:00 Uhr
Eintritt: 15,-/ 10,- €
Alfred Schnittke Akademie International, Max-Brauer-Allee 24, 22765 Hamburg


Gehen wir einmal davon aus, dass Sie Galina Ustwolskaja (1919-2000) nicht kennen. Das ist – einerseits – nicht ungewöhnlich. Dem steht – andererseits – gegenüber, dass sie zu den bedeutendsten Komponistinnen der Sowjetunion des 20.Jhdts. gehört und neben Gubaidulina, Schnittke, Ligeti, Denissow,Kantscheli, Suslin, Arvo Pärt u.a. ihren Platz einnimmt. Anfangs wurde sie in der Heimat gefeiert, später wegen ihrer kompromisslosen Haltung in der Musik abgelehnt. Erst mit dem Ende der Sowjetdiktatur wurde sie „im Westen“ bekannt. Doch ist ihr Leben, sind ihre Werkschöpfungen so ungewöhnlich, dass wir, diesem Format geschuldet, Markantes daraus nur in Stichworten vermerken wollen:
Sie war über 10 Jahre Schülerin von Schostakowitsch. Später suchte er ihr Urteil, legte ihr seine neuen Werke zur Kritik vor, bevor diese an die Öffentlichkeit kamen. Und ihre Kritik war harsch. Doch schenkte er ihr die Handschriften. Lutoslawski und Ligeti schätzten ihre Werke über die Maßen, von denen nur 25 erhalten sind, denn sie selbst vernichtete, was sie nicht für Wert erachtete, erhalten zu werden. Rigoros. 28 Jahre unterrichtete sie, um zu überleben, Komposition in Leningrad.
Ihre Kompositionen beginnen oft mit einem einfachen, oft strengen, minimalistischen Thema, dass sich, bei eingeschränkter, teilweise ungewöhnlicher instrumentaler Zusammenstellung mit kargen Mitteln nach und nach zu majestätischer Breite entfaltet, dabei die Instrumente steigernd bis an die Grenzen ihrer Klang- und Ausdrucksfähigkeit beansprucht und zuweilen über monumentale Klangteppiche und Cluster bis zur umfassenden Auflösung im Chaos führt. In anderen Werken aber wird die vollkommene Stille zu einem Element musikalischer Wirklichkeit eingearbeitet.

Sofia Gubaidulina (geboren 1931): „Ich bin überzeugt davon, dass die Kunst ihre Hauptwurzeln in der Religion hat. Das ist eine Dimension, die uns mit Vollkommenheit, mit absoluter Wahrheit verbindet“. Ganz konkret stellt sie, die als Kosmopolitin aus dem russisch-orthodoxen Glauben schöpft, hiermit ein Leitbild dessen hin, was in allen ihren Werken aufklingt. Auch bei ungewöhnlichen Instrumentierungen, auch in der Suche in der alten Volksmusik und in den sakralen Werken wird unmittelbar erlebbar, dass diese einer tiefen Wahrheitssuche entspringen.
Schostakowitsch unterstützte sie auf ihrem „falschen Weg“, als sie vom Sowjet-Komitee abgelehnt wurde, Gidon Kremer machte sie „im Westen“ bekannt, heute werden ihre Werke weltweit aufgeführt, und noch immer, mit 87 Jahren, wird ein ums andere Werk uraufgeführt.

Sofia Gubaidulina
8 Etüden für Kontrabass solo (1974)

Galina Ustwolskaja
Grand Duett für Violoncello und Klavier (1959)
(Arrangement für Kontrabass & Klavier von A.Suslin 1996)

Sofia Gubaidulina
In Croce für Violoncello und Orgel (1979)
(Arrangement für Kontrabass und Bajan von S.Gubaidulina 1995)

Irina Kolesnikova – Klavier
Waldemar Gudi – Bajan
Alexander Suslin – Kontrabass

Moderation Hans-Ulrich Duffek, Sikorski Verlag