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09.12.2021, 19:00 Uhr
Eintritt: 10,- €
Alfred Schnittke Akademie International, Max-Brauer-Allee 24, 22765 Hamburg


Ferdinand Rauter im britischen Exil 

Mit den oben zitierten Worten lehnte der Pianist Ferdinand Rauter im Jahr 1933 die Einladung der Reichskulturkammer zu einem Konzert in Dresden ab. Jutta Raab Hansen schildert den Lebensweg Rauters im englischen Exil.

Der heutige Vortrag „Ferdinand Rauter im britischen Exil“ war bereits vor einem Jahr für die „Tage des Exils“ in Hamburg geplant und soll nun mit einiger Verspätung stattfinden.

Die Auswahl des Musikerexils in Großbritannien nach 1933, dargestellt am Beispiel des österreichischen Pianisten Ferdinand Rauter, geboren 1903 in Klagenfurt, gestorben 1987 in London, hat folgenden Grund: Nach 1945 und primär den USA als bevorzugtem Gegenstand der Betrachtung, begann die Erforschung des Exils von deutschsprachigen Musikern nach Großbritannien erst mit Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und Hamburg bedeutete 1929 für den Pianisten Rauter mit der Begegnung und Begleitung der isländischen Sängerin Engel Lund (1900-1996) bei einem privaten Liederabend 1929 einen Wendepunkt in seinem Leben. Mit dem von ihnen entwickelten Programm „Man Songs of Many Lands“ tourten sie danach in Europa und bis in die USA. Um 1935 nutzte Rauter eine Konzertreise beider nach England, das für ihn zum Exil werden sollte. Durch seine vielfältigen Kontakte, die er als Liedbegleiter Engel Lunds, Solist, Kammermusiker und Lehrer in England geknüpft hatte, wirkte Rauter als Mediator zwischen einheimischen und exilierten Musikern, die sich in größerer Anzahl seit dem Jahr 1938 nach England retten konnten. Sein Wort hatte Gewicht bei Verhandlungen mit Vertretern der britischen Regierung, insbesondere nach 1940 und seiner Freilassung aus der Internierung. Im Dezember 1945 ging Rauter für etwa eineinhalb Jahre als Musiktherapeut nach Camphill, einem medizinisch-heilpädagogischen Projekt für behinderte Kinder, das in Schottland in der Nähe Aberdeens von österreichischen Flüchtlingen um den Arzt Karl König begründet worden war und sich seitdem erfolgreich weltweit etablierte.

Die Geschichte Rauters im britischen Exil wird vom Vortrag von Volksliedern in Originalsprache, zusammengetragen von Engel Lund und mit Klaviersatz versehen von Ferdinand Rauter, umrahmt. Leonie Burgemeister (Gesang), Alan Newcombe (Flügel)